Sven_Sturm_Mischtonmeister

…ein Mischtonmeister?

Das Hobby zum Beruf machen und den großen Traum verwirklichen – für viele Menschen ist das der Schlüssel zu einem erfüllten Leben. Sven Sturm hat genau das erreicht. Er liebt seinen Job. Seit zwei Jahren ist er nun schon Mischtonmeister bei UFA SERIAL DRAMA.

Als Mischtonmeister arbeitet Sven in der Postproduktion, die für die visuelle und tonale Nachbereitung des Filmmaterials zuständig ist. Wurde eine Serienfolge am Set abgedreht, erhält Sven hier die Originaltonaufnahmen und muss sich zuallererst um einen makellosen Klang kümmern. „Ich bekomme die Originaltonaufnahmen, kurz O-Töne, in einer Rohfassung, genauso wie sie am Set aufgenommen worden sind.“, erklärt Sven. „Meine Aufgabe ist es zunächst, darauf zu achten, dass der Ton synchron zum Bild passt. Außerdem gleiche ich unterschiedliche Lautstärken an. Meistens werden die Szenen nämlich aus verschiedenen Blickwinkeln gedreht, das macht sich im aufgenommenen Ton bemerkbar. Wenn der Ton später lauter sein soll, ziehe ich den Pegel hoch. Bei Streitszenen oder emotionalen Geschichten ist das oft der Fall. Dementsprechend drehe ich die Lautstärke auch runter, wenn die Szene viel Atmosphäre erfordert.

Nach der Synchronisation und dem Angleichen des Tons macht Sven sich ans „Saubermachen“. Das heißt, er entfernt Störgeräusche, wie Rauschen oder Fieptöne, die am Set mitaufgezeichnet wurden. Manchmal sorgt er auch dafür, dass der eine oder andere vor der Kamera entstandene Versprecher verschwindet: „Es kommt schon mal vor, dass sich ein Schauspieler verhaspelt. Um das auszubessern, ziehe ich mir Tonschnipsel aus anderen Aufnahmen heraus und passe sie dem Bild an. Das kann ganz schön kniffelig sein, vor allem wenn sich die Geschwindigkeit oder die Betonung des Gesprochenen unterscheiden. Dann muss ich die Tonspuren verlängern und einpassen, bis alles flüssig klingt.“ Auch wenn Sven viele dieser Versprecher ausmerzen kann, eine für die Nachvertonung eingerichtete Sprecherecke mit Mikrofon ist trotzdem in seinem Arbeitsraum aufgestellt: „Manchmal kommt man einfach nicht drum herum und muss die Schauspieler zur Nachvertonung zu bitten.“

Wenn die O-Töne sauber sitzen, bearbeitet Sven die Atmosphärengeräusche und fügt den Bildern Effekte hinzu. „Bei Schlägereien,Schießszenen oder wenn jemand eine Tür zuschlägt, wird das Geräusch im O-Ton meistens nicht richtig aufgenommen. Effekte unterstreichen da das Bild,“ sagt Sven, der sich besonders auf den nächsten Arbeitsschritt freut. Bevor es in die Nachbearbeitung und Abnahmen mit dem Regisseur oder den Redakteuren der Serie geht, kann er jetzt nämlich seiner Kreativität freien Lauf lassen: „Wenn die Atmosphäre es verlangt, mische ich gerne kreative Effekte in den Ton, die mit der Realität nichts gemein haben. Einfach, um die Stimmung zu unterstützen. Das kann mal das Krächzen einer Möwe sein, das ich verändere oder eines Raben. Es muss nicht logisch klingen. Die Hauptsache ist, dass die Effekte die Wirkung verstärken, die mit dem Bild ausgedrückt werden soll.

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Für die Arbeit als Mischtonmeister muss Sven sein Handwerk einwandfrei beherrschen. Wie er das Mischpult bedient, brachte er sich zunächst selbst bei. „Eigentlich habe ich einen ganz anderen Beruf gelernt: Gaswasserinstallateur,“ erklärt der Quereinsteiger. „Damals war ich sechzehn Jahre alt und wusste noch nicht was ich wollte. Dementsprechend hat mir der Beruf auch keine Erfüllung geboten. Erst später entdeckte ich auf privatem Weg meine Liebe zum Sound. Ich fing an, mich über das Thema zu informieren, habe mir Programme zugelegt und die nötige Hardware studiert. Und dann merkte ich, das geht doch nicht so von ganz alleine und war nicht zufrieden mit den Ergebnissen, die ich erzielt habe.

Weil die Leidenschaft für das Medium Ton in Sven brannte und er autodidaktisch an seine Grenzen stieß, entschloss er sich für eine Weiterbildung und begann ein zweijähriges Studium zum Audioengineer in Köln. Die Ausbildung verlief berufsbegleitend. Tagsüber arbeitete Sven Vollzeit als Schlosser in Gummersbach und fuhr nach Feierabend täglich nach Köln, um sich fortzubilden. In jeder freien Minute lernte er für sein Studium und schloss dieses am Ende als Kursbester ab. Wie er das geschafft hat, kann Sven ganz einfach erklären: „Ich war einfach so fasziniert von der Materie, habe alles aufgesogen, wie ein Schwamm und hatte nie das Gefühl, dass ich mich da quälen muss. Von der Theorie bis zur Praxis, mich hat einfach alles begeistert: E-Technik, Software und Plugins und dann die praktischen Aufgaben, Recordings, Effekte. Einfach Alles!

Mit dem Diplom in der Tasche zog der frischgebackene Audioengineer mitsamt seiner Familie von Gummersbach nach Köln und absolvierte dort ein Praktikum in einem Medienunternehmen. Anschließend arbeitete er über sechs Jahre als Tontechniker und sammelte in dem Beruf etliche Erfahrungen. Als die UFA ein Stellengesuch für einen neuen Mischtonmeister ausschrieb, bewarb Sven sich und war Feuer und Flamme: „Ich wurde zum Kennenlernen eingeladen und war sofort begeistert über die Möglichkeiten, die man hier hat. Als ich den Job bekam, habe ich mich wahnsinnig gefreut. Es ist einfach ein Traumjob für mich, weil ich mich hier genauso kreativ ausleben kann, wie ich es immer wollte!“ Klingt super, finden wir!

 

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